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Schulgeschichte

„Die Deutsche Schule Genua ist eine der weltweit ältesten deutschen Auslandsschulen. Dies hebt ihre Bedeutung besonders hervor in einem Land, in dem eine Vielzahl italienisch-deutscher Kulturvereinigungen und Kulturinstitute aktiv sind.

Am 4. Oktober 1869 wurde der Unterricht in der Deutschen Schule aufgenommen.... Schon bald entwickelte sich die neue Schule zu einer internationalen; fast die Hälfte aller Schüler waren Nichtdeutsche.

Heute hat sie einen festen Platz im Leben der Stadt Genua und trägt in hohem Maße dazu bei, neben ihrer eigentlichen Aufgabe die Freundschaft und das Verständnis zwischen beiden Ländern zu fördern. Zwei Sprachen und zwei Kulturen fließen in dieser Stätte der Begegnung ineinander über und ermöglichen so eine Bereicherung für jeden Einzelnen dort Tätigen".

So schrieb Dr. Konrad Seitz, ehemaliger Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Rom in einem Grußwort anlässlich des 125jährigen Bestehens der Deutschen Schule Genua.

Im Jahre 2009 wird unsere Schule mit großer Freude ihr 140jähriges Bestehen feiern, ein Anlass sich zu vergegenwärtigen, aus welch bescheidenen und idealistisch improvisierten Verhältnissen sich die Schule zu der Institution entwickelt hat, die sie heute verkörpert.

Heute ist die Schule „eine voll anerkannte integrierte Begegnungsschule, deren Abschlusszeugnis zum Universitätsstudium sowohl in Deutschland wie in Italien und sonstigen Ländern berechtigt. Über die Jahrzehnte hat hinweg hat die Schule ihre wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und ihre völkerverbindende Kraft immer wieder unter Beweis gestellt. Auch in unseren Tagen bestehen die Schülerinnen und Schüler das Abitur mit erstaunlich guten Ergebnissen, und die Außenwirkung der Schule ist auch auf künstlerischem Gebiet - Theater und Musik - bemerkenswert", lobt Dr. Zeidler, ehemaliger Abteilungspräsident der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.

Die Präsenz der Deutschen in Genua im 19. Jahrhundert

Dr. Johannes Wohltmann, Oberlehrer an der Deutschen Schule Genua in den Jahren vor dem Ausbruch des l. Weltkriegs und Chronist der deutschen Institutionen in Genua, schreibt über die Anfange einer deutschen Kolonie in Genua, dass seit der napoleonischen Zeit "Pioniere des Deutschtums" mit besonderem "Wagemut" und "Kenntnissen" in Genua leitende Positionen in "Industrie und Handel" einnahmen, namentlich Familien wie Gruber, Allgeyer, Scholler, Leupold, Friz und "Herren, die als Sozii oder sonst in hervorragender Stellung, z.B. als leitende Ingenieure, in Genua tätig waren" (...).

"Einfache Deutsche waren früher kaum hier, sie sind erst – aber auch in geringer Zahl – mit den ... Schiffen gekommen." Einen Genuesen zitiert Wohltmann mit folgenden Worten: "Alle guten Geschäfte machen bei uns die Deutschen, sagte mir ein Genuese. Aber es ist unsere Schuld, fuhr er ganz richtig fort; der Deutsche hat Kenntnisse und Wagemut, daran aber halt er zähe fest u. gibt eine Sache selbst bei großen Verlusten nicht verloren" (...). Wohltmann schreibt und interpretiert – im Geist der Zeit - mit nationalem Pathos; das Faktum selbst jedoch bestätigt Prof. Dr. Giorgio Doria, Ordinarius für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Genua, in seinem Festvortrag zur Präsentation des von der Deutschen Schule Genua herausgegebenen Bandes "Genova-Germania. Geschichte einer Beziehung" und im Einleitungskapitel dieses Buches: die Starke der deutschen Kolonie in Genua hangt zusammen mit den intensiven politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland in der zweiten Hälfte des 19 Jhdt.

So sind deutsche Schiffsversicherungen in Genua ansässig, die "Silos di Genova" gründeten Frankfurter Kaufleute und der Präsident der AEG, der in Genua beim Aufbau eines Stromnetzes sein Knowhow zur Verfugung stellte, war der spätere deutsche Außenminister Walther Rathenau, der seinerseits im Frühjahr 1922 im Rahmen einer Wirtschaftskonferenz mit Russland den "Vertrag von Rapallo" aushandelte.

Etwas plakativer druckt sich der "Trierer Volksfreund" aus, wenn er schreibt, dass die Deutsche Kolonie und damit die Schule in Genua ihre Existenz dem Bau des Suezkanals verdanke. Denn viele Kapitäne aus Norddeutschland, die im Nahostverkehr tätig waren, hatten sich mit ihren Familien in Genua angesiedelt, um die weite Schiffspassage über den Atlantik und die Strasse von Gibraltar zu vermeiden. So habe sich die deutsche Kolonie in Genua rasch vergrößert, und das Bedürfnis nach einer adäquaten Ausbildungsstätte für den Nachwuchs sei gewachsen.

Es war naheliegend, dass sich die Deutschen in Genua im Rahmen ihrer konfessionellen Zugehörigkeit organisierten. Die Katholiken trafen sich zwar zum sonntäglichen Gottesdienst in Santa Croce e Camillo (Zona Piccapietra), konnten sich aber ansonsten "von jeher an die einheimische Kirche anlehnen ... Religiöse Bedürfnisse haben bei ihnen zu keinem Zusammenschluss geführt".

Die Gründung der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Genua und die Schulgründung

"In confessioneller Hinsicht ist unsere Kolonie ... von Anfang an überwiegend evangelisch gewesen", schreibt Wohltmann, wobei das süddeutsche Element, vor allem die an den Bodensee grenzenden Gebiete, besonders stark vertreten war. Religiöse Heimat fanden diese lutheranischen Christen seit 1824 in der "Eglise protestante reformee de Genes", deren Kirchensprache französisch war. Dies war wohl auch der Anlass für die Gründung einer deutschen evangelischen Kirche; sie war "die erste Vereinigung der hiesigen Deutschen auf nationaler Grundlage". Mit der Abfassung und Annahme der "Grundstatuten" gab sich die Gemeinde in der ersten Generalversammlung vom 16.11. 1868 eine Verfassung.

In den ebenfalls am 16.11.1868 beschlossenen "Ergänzungsstatuten" wird unter anderem ein Bericht über "die zu gründende Dt. Schule" als Gegenstand der regelmäßigen Jahresversammlungen genannt und dem Gemeindevorstand die "Ernennung des Schul-Comites" aufgetragen. Hier wird also erstmals die Absicht erwähnt, eine deutsche Schule in der Trägerschaft der deutschen evangelischen Gemeinde zu gründen; die Verankerung dieser Absicht in den Grundstatuten zeigt die Bedeutung, welche diese Schule für die Gemeindemitglieder hatte. Zunächst wurde ein "Schul-Comite" ins Leben gerufen, dessen Mitglieder ebenso wie der Präsident des Gemeindevorstands, der "Kirchenvorsteher", seit 1872 für 3 Jahre gewählt wurden; ab Oktober 1977 wurde das Schulkomitee mit dem Gemeindevorstand verschmolzen, der aus 5 Mitgliedern bestand, von denen 2 jedes Jahr ausschieden.

Das Schulkomitee tagte erstmals am 15.12.1868 und verpflichtete als Lehrer Herrn Knorrn aus Schreibersau/Schlesien ab Ostern 1869, mit einem Gehalt von 1600 Fr., zusätzlich freier Reise. Einige Monate später wurde Signora Venuti aus Genua für die beiden Fremdsprachen Französisch und Italienisch angestellt.

In einer weiteren Sitzung wurde beschlossen, für Schule und Kirche einen Raum im Palazzo Spinola, Salita S.Caterina ab Oktober für 2000 Fr. jährlich zu mieten. 
Über die Frage, ob der Unterricht auch dazu verwendet werden solle, Kirchenlieder einzuüben, kam es auf dieser Sitzung zu einer Auseinandersetzung zwischen Pfarrer Schrader und Lehrer Knorrn, der dagegen war. Wahrscheinlich reiste Schrader aus diesem Grund nach Mailand, um sich über das Lernprogramm der dortigen Schule zu informieren.

Am 16.3.1869 wurde das Schulprogramm erarbeitet, das in deutscher und französischer Sprache gedruckt wurde. Über den Namen "Deutsche Evangelische Schule" kam es zu einer Debatte, deren Ausgang in den Protokollen nicht nachzuvollziehen ist. Unklar bleibt ebenfalls die in dieser Sitzung festgelegte "Eröffnung" der Schule am 5.April 1869. Ist darunter lediglich die offizielle Gründung der Schule zu verstehen oder eine Art "Vorschule"? Fest steht jedenfalls, da6 der erste Schultag für die "Deutsche Evangelische Schule" (oben erwähnter Name hatte sich also durchgesetzt) der 4.10.1869 war.

In den Daten zur Gemeindegeschichte ist für diesen Tag vermerkt: "Eröffnung der Deutschen Evangelischen Schule. Lehrer Knorr, Lehrerin Venuti. Kinderzahl 18. S. gedrucktes Programm und Jahresbericht".

Die Anfänge der Schule und das Problem des Schullokals

Zur Anmietung des Kirchen- und Schullokals im Palazzo Spinola kam es nicht sofort, übergangsweise ist von einem Schullokal "in der Aquasola" die Rede, das für 1000 Fr. angemietet wurde. Im Februar 1871 zog die Schule in den Palazzo Spinola um. Überhaupt lässt sich sagen, dass sowohl Schule als auch Kirche ständig auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten waren. Wahrend die Kirche von Anfang an bei den Waldensern in der Salita di Castelletto bzw. der "Aquarona" zu Gast war und sehr darunter litt, da6 sie kein eigenes Heim hatte, mußte die Schule "ruhelos von einer Mietswohnung in die andere" ziehen. Die Lage der Schullokale ist nicht in jedem Fall bekannt.

Eine Wohnung im Bereich des heutigen Ponte Monumentale, in der die Schule in den ersten Jahren untergebracht gewesen sein soll, ist in den Unterlagen des evangelischen Kirchenarchivs nicht belegbar. Zum Zeitpunkt der Trennung von Kirche und Schule (1897) befand sich die Schule in der Via Assarotti 31.

Der Kauf eines eigenen Schulgebäudes war ein Traum, der aufgrund der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde lange nicht Wirklichkeit werden konnte. Im oben erwähnten Bericht steht: "Der kleine Kreis von Deutschen, welche sich lebendig um Schule und Kirche bekümmern, halt test zusammen und pflegt keinen geselligen Umgang mit Italienern. Sie lassen sich’s um die Erhaltung von Kirche und Schule (für die sie in Summa über 6000 Lire, also jeder im Durchschnitt über 200 Lire oder 50 Thaler zahlen), sauer werden. Sie sind durchgängig nicht reich und können daher die gesamten Kosten unserer Schule nicht bestreiten, geschweige denn die gefährdete Existenz derselben durch Kauf eines Schulhauses sichern".

Im Protokoll einer Kirchenvorstandssitzung vom 13.5.1878 wird erneut auf die Suche nach einem geeigneten Schulhaus hingewiesen. Um der Raumnot zu begegnen, "sollen italienische Kinder nur dann aufgenommen werden, wenn sie ein Examen in der deutscher Sprache hinreichend gut bestehen". Im Rechenschaftsbericht desselben Jahres wird ohne Angabe der Lage der Umzug in ein neues Schullokal erwähnt, der erhebliche Kosten verursachte, aber drei Klassenzimmer und zusätzlich eine Pfarrwohnung bot.

Das deutsche Auslandsschulwesen bis 1918

Wie schon erwähnt, ist die Deutsche Schule Genua eine der wenigen deutschen Auslandsschulen, die vor der Reichsgründung eröffnet wurden. Nach 1871 kam es zu einem regelrechten "Schulboom", bis 1914 zählt man rund 600 Neugründungen, darunter Helsinki (1881), Madrid (1886), Athen (1896) und Porto (1901). Insgesamt gab es bei Ausbruch des l. Weltkriegs rund 900 deutsche Schulen strenger Definition, dazu weitere 4000 in das ausländische Schulsystem integrierte deutsche Bildungseinrichtungen.

Von großer Bedeutung war 1878 die Einrichtung eines Schulfonds zur Unterstutzung der Auslandsschulen durch die Reichsregierung. In diesen Schulfonds wurden die vom preußischen König den evangelischen Schulen gewahrten Beihilfen übernommen, da die Zahl der überkonfessionellen Schulen zunahm und das Auslandsschulwesen in den Zuständigkeitsbereich der Außenpolitik gehörte. Anfänglich standen 75.000 Reichsmark zur Verfugung, bis 1913 erhöhte sich der Etat auf 1,1 Millionen Goldmark, mit denen 511 Schulen unterstutzt wurden. So wurde aus gelegentlichen Zuwendungen für bestimmte Schulen eine amtliche Forderung für das deutsche Bildungswesen im Ausland und damit der Grundstock gelegt für einen institutionellen Ausbau des Auslandsschulwesens. Hinter dieser entscheidenden Wendung stand wohl Reichskanzler Fürst von Bulow, der Wilhelm II. auf dessen Orientreise 1898 anlässlich des Besuchs der Deutschen Schule Konstantinopel entsprechend beeinflussen konnte.

Sehr wichtig war auch die Einrichtung eines Schulreferats im Auswärtigen Amt im Jahr 1906, das für den Schulfonds, die Lehrerverteilung und die Betreuung der Schulen verantwortlich war. In einem Erlass des preußischen Unterrichts-ministeriums heißt es: "Es ist darauf Bedacht zu nehmen, dass zur Erhaltung des Ansehens, welches das deutsche Unterrichtswesen im Ausland genießt, nur tüchtigen und zuverlässigen Lehrkräften die Wege zum Übertritt in den Auslandsschuldienst geebnet werden". Bis zum Kriegsausbruch zählt man weltweit rund 700 vermittelte Lehrer.

Ein weiterer Schritt zur Konsolidierung des Deutschen Auslandsschulwesens war die Anerkennung der im Ausland erreichten Schulabschlusse in Deutschland selbst. Voraussetzung dafür war, dass die deutschen Länder ihre Abschlusse gegenseitig anerkannten, was in der Vereinbarung des Jahres 1909 geschah. Dabei erwies sich die Abschlussprüfung des "Einjährigen" als allgemein anerkennbarer Bildungsnachweis, um in die mittleren Laufbahnen des Staatsdienstes, der Wirtschaft und der Industrie einzutreten. Die Benennung dieses Schulabschlusses als "Einjähriges" erklärt sich aus der Tatsache, dass ein Wehrpflichtiger in der deutschen Wehrmacht vor dem l. Weltkrieg mit diesem Abschluss, vorausgesetzt, er meldete sich freiwillig, nur ein Jahr zu dienen brauchte. So war es das Ziel der Schulen im Ausland, vom Reichsministerium des Innern die Berechtigung zur Durchführung von Prüfungen zum "Einjährigen" am Ende der Klasse 10 zu erhalten. Dies erreichten bis 1918 23 Schulen, die DSG als eine der ersten am 4-Februar 1905.

Da das schulische Leben im vorliegenden Zeitraum durch eine Reihe von wertvollen Jahresberichten und durch die schriftlichen Aufzeichnungen des Schulleiters besonders gut dokumentiert sind, mochte ich im Folgenden, ohne die große Linie zu vernachlässigen, Charakter, Struktur und Tätigkeit der Schule schwerpunktmäßig anhand von Zahlen und Fakten darstellen.

Die Loslösung der DSG von der Gemeinde im Jahre 1897

"Nach einer kurzen Darlegung der Trennungsgeschichte, wonach in der vorstandslosen Zeit und in Abwesenheit des Pfarrers auf die Initiative des Herrn Friz hin, sich in Gegenwart des kais. Generalkonsuls die Schule als deutsche, interkonfessionelle, von der Kirche unabhängige Schule konstituiert hat, eröffnet der Vorsitzende die Diskussion.

Die Deutsche Evang. Gemeinde heißt die Abtretung der Schule von der Kirche und die Konstituierung der ersteren als interkonfessionelle, von der Kirche unabhängige Schule gut".

Die möglichen Grunde für die Trennung wurden oben bereits kurz angesprochen: die hohe finanzielle Belastung der Gemeindekasse durch die Schule und zunehmendes Interesse von Eltern, die ihre Spenden im Interesse ihrer Kinder zweckgebunden der Schule zukommen lassen wollten oder der Gemeinde Überhaupt nicht angehörten. Die oben angesprochene Einrichtung eines Schulfonds durch das Auswärtige Amt, das eine regelmäßige und gezielte Forderung durch Reichsmittel in Aussicht stellte, sicherte das Schulprojekt zusätzlich ab. Diese Forderung entschied sich wohl nach dem Besuch des preußischen Kultusministers R. Bosse Ende der neunziger Jahre, der "die Schule mit seinem Besuche beehrt und sich persönlich von der gehaltvollen Arbeit überzeugt hatte, die in der bescheidenen Anstalt in aller Stille geleistet wurde".

So konnten die Gemeindemitglieder, ohne sich finanziell über die Maßen zu belasten, ihre Kinder in die Schule schicken und die Schule selbst konnte, ohne auf die Belange der Gemeinde achten zu müssen, ihre eigenen Wege gehen.

Die Finanzen

Aus dem Schulfonds des Auswärtigen Amtes gingen jährlich 3.771 Lire bzw. im Jahr 1904 4.312 Lire ein. Dazu kamen Sonderzuwendung von Reedereien (Norddeutscher Lloyd, Hamburg-Amerika-Linie), der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft oder von Privatpersonen sowie die Jahresbeitrage der Mitglieder des Schulvereins, die zwischen 10 und 300 Lire variierten. Die Schulgelder in Hohe von 150 Lire pro Schuler erbrachten 1901/1902 11.217,50 Lire. Weitere Einkünfte ergaben sich aus Gebühren für zusätzliche Deutschkurse sowie den Zinsen aus italienischen Wertpapieren und der Hälfte der Zinsen aus der Grunelius-Stiftung, die im Falle eines Scheiterns der Schule wieder ganz an die Gemeinde zurückgegangen wäre.

Als besonderer Gönner der Schule erwies sich Herr Ludwig Allgeyer, der dem Schulverein angehörte und jährlich 300 Lire als freiwilligen Jahresbeitrag entrichtete. Nach seinem Tod im Sommer 1904 vererbte er der Schule den Betrag von 15.000 Lire, mit dem die "Ludwig-Allgeyer-Stiftung" begründet wurde. Auf der Ausgabenseite machten die Lehrergehälter fast die Hälfte der Belastungen aus. Dazu kam die Miete für die Schulräume, Reisevergütungen an Lehrer, die Abführung der Einkommenssteuer, Lehrmittel und kleinere Ausgaben.

Insgesamt standen im Haushaltsjahr 1901/1902 28.527.05 Lire Einnahmen dem gleichen Betrag an Ausgaben gegenüber. Im Besitz der Schule verblieben in der Form von Wertpapieren, M6-bein und Barbeständen 41.363,32 Lire, ein beachtlicher Betrag, der sich im darauffolgenden Jahr nochmals um 2.000 Lire erhöhte.
In einen finanziellen Engpass geriet die Schule ab dem Jahr 1910, nicht zuletzt durch einen einschneidenden Ruckgang der Schülerzahlen.

Natürlich wirkten sich auch die hohen Kosten des Umzugs in die Via Caffaro und der Ausgestaltung des neuen Schulgebäudes, von dem noch zu sprechen sein wird, aus. Zur Vermeidung der Betriebsunkosten schlug Generalkonsul Dr. Herff die freiwillige Erhöhung der Schulgelder vor, die allerdings erst 2 Jahre vorher um 8% angehoben worden waren. Ein weiterer Vorschlag war die Verminderung des Lehrerkollegiums um einen Elementarlehrer.

Durch verschiedene Stiftungen, eine gestaffelte Erhöhung der Schulgelder und eine Gebühr für die Schlussprüfungen konnten die ärgsten Probleme behoben werden. Ständige Eingaben an die Reichsregierung zeigen jedoch, dass die Finanzierung der Schule, vor allem aufgrund der steigenden Lehrergehälter und der seit 1910 zurückgehenden Schülerzahlen, bis zur Schließung der Schule ein Problem blieb.

Das Schulgebäude

Zum Zeitpunkt der Trennung von der Gemeinde befand sich die Schule in der Via Assarotti 31. Am 31.0ktober 1901 zog sie in die Via Goffredo Mameli 33 um, wo Platz war für eine Bücherei mit 675 Banden, eine naturkundliche Sammlung (mit einem Gehege für exotische Tiere), einen Speisesaal, einen Turnplatz und einen botanischen Garten. Bei der Einweihungsfeier sagte der Schulleiter, die Schule habe sich, "hervorgegangen aus den Bedürfnissen der hiesigen deutschen evangelischen Gemeinde.. .aus kleinen und bescheidenen Anfangen im Laufe von mehr als dreißig Jahren jetzt zu einer im Interesse des gesamten Deutschtums wirkenden, wichtigen Anstalt entwickelt", die sich nunmehr anschicke, ein weites Wirkungsfeld zu erobern.

Mit der Übersiedlung in diese neuen Raume sei die Deutsche Schule aus ihrer bisherigen Verborgenheit hervorgetreten und wolle sich nun in der Reihe der größeren Schulen hierselbst eine seinem herrlichen deutschen Namen gebührende Stellung erringen. Nach dem alten Sprichworte unserer Vorvater gelte es deshalb zu beten und zu arbeiten.

Doch die Schulerzahl stieg nach 1901 außerordentlich an, und so wurde ein erneuter Umzug nötig. Der Schulvorstand beschloss die vorübergehende Anmietung des Palazzo in der Via Caffaro 34B mit der Option auf einen späteren Kauf, falls er sich als geeignet erweisen sollte. Am 1. Oktober 1908 bezog man das Schulhaus, das nun auf Herz und Nieren geprüft wurde, unter anderem von 3 Ärzten und einem Architekten.

Am I8. Februar 1909 beschloss der Vorstand, das Gebäude käuflich zu erwerben. Dies war jedoch nicht einfach, da die Deutsche Schule in Italien keine juristische Person darstellte und so den Kaufakt nicht realisieren konnte. So kam es zu einer Vereinbarung mit der Evangelischen Gemeinde, die durch den Königlich Preußischen Oberkirchenrat den Kauf durchführte und das Gebäude dann der Schule überschrieb.

 

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